

Das historische Oberschlesien ist ein ber die Jahrhunderte gewachsenes Gebiet, das im Laufe seiner Geschichte zum Herrschaftsbereich verschiedener angrenzender Staaten gehrte. Die mehrfach wechselnde staatlich-politische Zugehrigkeit seit dem Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert sowie die ethnische, nationale, kulturelle, sprachliche, konfessionelle und soziale Vielschichtigkeit machen diese Region geradezu zu einem Paradigma der nachbarschaftlichen Beziehungen in der Mitte Europas.

Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert wurde die Industrialisierung in der nunmehr  preuischen Provinz massiv vorangetrieben. Die Region entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten industriellen Zentren des preuischen Staates. Zahlreiche Bergwerke, Kokereien, Htten, Kraftwerke und Werke der Chemieindustrie prgten das Bild der Landschaft.
Nach dem Ende des 2. Weltkrieges fiel die ehemalige preuische Provinz Oberschlesien an den polnischen Staat. Ein groer Teil der riesigen Industriekomplexe haben in der geschaffenen Sonderwirtschaftszone bis zum Beginn der Neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts die Zeiten relativ unbeschadet berdauert.

Mit den politischen Vernderungen 1989 einerseits aber auch mit dem Beitritt der Republik Polen zur Europischen Union im Jahre 2004 kam es zu weiteren tiefgreifenden strukturellen Vernderungen. Die meist veralteten Industrieanlagen Oberschlesiens hatten auf dem Weltmarkt kaum eine Chance.
Viele Werke wurden geschlossen, Hunderttausende Menschen wurden arbeitslos. Vor allem die Htten- und Stahlindustrie erlebte einen sprbaren Niedergang.
Inzwischen sind viele dieser Betriebe aus einer vergangenen Industrieepoche verschwunden oder stehen kurz vor der Liquidation. Dennoch findet man auch heute noch zahllose intakte und beeindruckende Anlagen verschiedener Industriebereiche.

Die Fotoausstellung "Struktur und Architektur. Das postindustrielle Kulturerbe Oberschlesiens" und ein diese begleitender deutsch-polnischer Ausstellungskatalog wurde von Europareportage gemeinsam mit dem Deutschen Kulturforum stliches Europa aus Potsdam in den Jahren 2009/2010 realisiert. Darber hinaus beteiligte sich das Schlesische Museum Kattowitz an der Erstellung des Ausstellungskataloges; das Haus der Deutsch Polnischen Zusammenarbeit Gleiwitz und zahlreiche weitere deutsche und polnische Museen und Institutionen untersttzten als Partner das Projekt. Stationen dieser 46 Fotografien umfassenden Ausstellung sind u.a. Zeche Zollern, ein Standort des LWL Industriemuseums Dortmund, das Oberschlesische Landesmuseum Ratingen und das Schlesische Museum Kattowitz. Dieses Museum wird die Arbeiten ab Oktober 2011 im Rahmen der EU Ratsprsidentschaft Polens erstmalig der polnischen ffentlichkeit prsentieren. 

Die Initiative Europareportage wurde 2004 von den Berliner Fotografen Anke Illing und Thomas Vobeck ins Leben gerufen. Themenschwerpunkt innerhalb unterschiedlicher Projekte sind die inhaltliche und fotografische Auseinandersetzung mit spannungsreichen Kulturrumen Mittel-, Ost- und Sdosteuropas.


